SOPHIE - SCHOLL - GYMNASIUM
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So führte im Herbst 1989 ein Antrag der Schülervertretung an die Schulkonferenz zur Einsetzung einer Kommission, die über eine Ergänzung des Schulnamens nachdenken, verschiedene Möglichkeiten eingehend prüfen und schließlich der Schulkonferenz Vorschlage unterbreiten sollte. Dieser Kommission gehörten je drei Vertreter der Schülerschaft, der Elternschaft und des Lehrerkollegiums sowie der Schulleiter an. Als für eine gewisse Phase ungewiß war, ob der Kreis Steinburg die Trägerschaft für diese Schule behalten oder an die Stadt Itzehoe abtreten sollte, ruhte die Arbeit der Kommission. Nachdem durch Erneuerung der Vereinbarung zwischen Stadt und Kreis die Fortsetzung der Trägerschaft durch den Kreis feststand, wurde der Suchauftrag der Schulkonferenz an die Kommission erneuert. Im Frühjahr 1994 unterbreitete diese die Anregung, die Schulkonferenz möge dem Schulträger als künftigen Schulnamen die eingangs genannte Bezeichnung vorschlagen. Dem folgte die Schulkonferenz mit einem ohne Gegenstimme gefaßten entsprechenden Beschluß am 4. Juli 1994. Der Kreisausschuß des Kreises Steinburg beschloß daraufhin den neuen Namen und leitete diesen Beschluß mit der Bitte um Zustimmung an das Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein weiter. Nachdem dessen Genehmigung vorlag, übernahm die Schule am 6. Mai 1995 in einer die ganze Schule einbeziehenden Veranstaltung im Pädagogischen Zentrum ihren neuen Namen.
Die Ausbreitung des Werdeganges der neuen Schulbezeichnung macht deutlich, daß der Schule nicht von außen etwas vorgegeben wurde, sondem daß der Anstoß aus der Institution selbst kam, daß auch das Ergebnis der Überlegungen ganz und gar innerschulisch gewachsen ist. Welche Gedanken nun waren leitend?
Zunächst legte sich die Kommission darauf fest, daß sie die Hinzufügung des Namens einer Person zum bisherigen Schulnamen vorschlagen wollte, und zwar -- gemäß den Genehmigungspflichten des Landes -- keiner noch lebenden. Es war auch Konsens, daß es nicht darum gehen sollte, für eine große, schon vielfach geehrte Persönlichkeit ein weiteres Denkmal zu errichten, sondern daß ein Name gefunden werden sollte, der ein Vermächtnis für die der Schule aufgegebene Bildungs- und Erziehungsarbeit enthält. Die Kommission sah dies bei Sophie Scholl gegeben.
Argumente für die Namenswahl:
Der abrißartige Lebenslauf macht die enge Bindung Sophie Scholls zu ihrem Bruder Hans deutlich, und das gemeinsame Handeln beider rechtfertigt, daß sie gemeinhin immer als "Geschwister Scholl" zusammen genannt und gewürdigt werden. Wenn sich die Schulkonferenz dennoch auf Sophies Namen allein festlegte, so ist darin keine Wertung, gar Abwertung des Hans Scholl zukommenden Ranges zu erblicken. Die vielfältige gemeinsame Nennung aber hat dazu geführt, daß der Name "Geschwister Scholl" zu etwas Etiketthaftem geworden, fast ein wenig versteinert ist. Es setzte sich bei uns in der Schule die Auffassung durch, daß das mit dem Namen "Scholl" sich verbindende Vermächtnis jungen Menschen besonders eindrucksvoll an der Biographie dieses einen Menschen nahegebracht werden könne. Sophie Scholl war eine empfindsame, starker Gefühle fähige junge Frau. Aber ebenso ausgeprägt war ihr klarer Verstand. Sie war nicht zur Quärulantin, zur notorischen Aufbegehrerin geboren, sondern sie klammerte sich lange an die Vorstellung, sie könne auch gegen den Einfluß von Bedrohlichem in der politischen Wirklichkeit für sich ein erfülltes Leben schaffen. Widerstand war ihr nicht ideologisch vorgegeben. Wohl aber beobachtete sie, fest auf der ethischen Grundlage des Christentums stehend und unverbildet durch Parolen, das politische Geschehen mit wachen Sinnen. Im Gegensatz zur Mehrheit ihrer Mitmenschen verdrängte sie das Wahrgenommene nicht, sondern zog Folgerungen. Damit entwickelte sie sich konsequent auf eine zur allein zugelassenen Ideologie gegensätzliche Position hin und hatte dann den Mut, aus Denken Handeln werden zu lassen. Sie war in allem eigenständig, auch wenn sie durch die starke Bindung zu ihrer Familie und den Freunden Orientierung erfuhr.
Aus dem hier Dargelegten wird erkennbar, daß der Lebensweg Sophie Scholls in besonderer Weise Erziehungsziele, die auch in der Gegenwart bejaht werden, spiegelt.
In der Diskussion ist auch die Frage gestellt worden, ob eine Änderung des Schulnamens nach 25 Jahren noch angebracht sei. Nun, wir haben nicht etwa eine veraltete, unbrauchbar gewordene Bezeichnung abgelegt, sondern wir haben den bisherigen Namen bewahrt, ihn allerdings ergänzt um ein Element, das für das pädagogische Tun an unserer Schule eine hohe Verpflichtung bedeutet. So mag die Namensänderung Ausdruck dafür sein, daß diese Schule als Institution ihre Aufbau- und Konsolidierungsphase hinter sich gebracht hat, also gewissermaßen erwachsen geworden ist.